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| Donnerstag, 23. Februar 2012 | |||
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Im erzgebirgischen Königsforst stiftete Kaiser Lothar III. 1136 beim Übergang einer nach Böhmen führenden Straße über die Chemnitz das gleichnamige [Benediktinerkloster], dem 1143 von Kaiser Konrad III. das Marktrechtsprivileg verliehen wurde. Dabei wird auch ein "locus Kamenicz" genannt. Das Kloster erwarb 1375 die Herrschaft [Rabenstein]. Der Standort der ersten klösterlichen Marktsiedlung wird mit guten Gründen unterhalb des Kapellenberges mit der [Nikolaikirche] auf der anderen Seite der Chemnitz vermutet. Der klösterliche Markt bildete jedoch nicht den unmittelbaren Vorgänger der königlichen Stadt, sondern die Gründung einer Reichsstadt erfolgte vermutlich unter Friedrich Barbarossa zwischen 1171 und 1174 im hochwasserfreien Bereich um die Johanniskirche und sie gilt als erste Stadtkirche. Das staufische Königshaus verfügte bis 1264 über deren Patronat. Im Zentrum der Stadtanlage wurde um 1200 die neue Stadtpfarrkirche St. Jakobi gegründet, die 1254 erstmals urkundlich genannt wird. ![]()
Dabei wurden Trockenlegungshorizont aus Astwerk und Holzresten niedergelegt sowie Kanäle zur Entwässerung gegraben, um die vernässte Chemnitzaue begeh- und besiedelbar zu machen. Allerdings bestanden noch bis ins 14. Jahrhundert hinein Freiflächen und offene Gewässer sowie offenbar landwirtschaftlich genutzte Flächen innerhalb des Berings und erst zu dieser Zeit ist die Stadtstruktur weitgehend festgelegt worden. Eine wesentliche Rolle scheint dabei dem Stadtbrand von 1333 zuzukommen. Weitere Brände folgten 1379, 1389 und 1395. Auch der Neumarkt war ursprünglich bebaut und erhielt erst in der Neuzeit seinen Platzcharakter. Die Stadt wurde bald nach ihrer Gründung befestigt. Im Jahr 1264 wurde eine Stadtmauer indirekt genannt, 1296 folgte die direkte urkundliche Erwähnung. Von der Ummauerung sind heute nur wenige Reste erhalten und ihr Verlauf ist im Stadtbild kaum mehr nachzuvollziehen. Doch sind Verlauf, Gestalt und bauliche Entwicklung auf Grund von bildlichen und schriftlichen Quellen sowie der Ergebnisse der stadtarchäologischen Untersuchungen inzwischen gut bekannt. Der Mauerring, mit einer Länge von ca. 1650 m, umschloss eine annähernd runde Fläche mit einem Durchmesser von etwa 500 m. Er besaß vier Tore jeweils mit Turm, 21 weitere Türme mit Abständen von weniger als 70 m und eine Pforte. Davor lagen die Zwingermauer mit halbkreisförmigen barocken Bastionen und der 16 bis 33 m breite Stadtgraben mit innerer und äußerer Stadtgrabenmauer. Die in Lehm gesetzte Stadtmauer wird in die erste Hälfte des 13. Jahrhunderts datiert, die Zwingermauer stammt aus der zweiten Hälfte des 14. Jahrhunderts. 1290/91 wurde der Stadt der Charakter einer "Reichsstadt" bestätigt. Aus der Urkunde lassen sich erstmals Hinweise auf die Existenz von Richter, Räten und einer Ratsverfassung entnehmen, die für 1298 sicher bezeugt sind. Eine bedeutende Veränderung brachte das Jahr 1308, als Chemnitz seinen Stand als Reichsstadt verlor und nach der Schlacht bei Lucka an das Haus Wettin fiel. 1357 erhielt die Stadt ein landesherrliches Bleichprivileg. Das Bleichmonopol bedeutete, dass jede in der Mark Meißen produzierte Rohleinwand zum Veredeln auf die Chemnitzer Bleichpläne gebracht werden musste. Dies bildete eine wesentliche Grundlage für den Aufstieg, durch den sich Chemnitz zum Zentrum der obersächsischen Leineweberei und ab dem 16. Jahrhundert auch der Baumwollweberei und Färberei entwickelte. Einen zweiten wirtschaftlichen Schwerpunkt bildete die Metallverarbeitung, speziell das Hüttenwesen. 1423 erwarb die Stadt die Obergerichtsbarkeit. Das Aufblühen des erzgebirgischen Bergbaus wirkte sich auch auf Chemnitz aus, wo Ulrich Schütz seit 1470 eine Saigerhütte und einen Kupferhammer betrieb und an der Chemnitz entstanden mehrere Werke der Montanwirtschaft. Das Rathaus brannte bei den Stadtbränden von 1379, 1389 und 1395 mehrmals nieder. Um dies in Zukunft zu verhindern, plante man für einen erneuten Aufbau einen steinernen Ersatzbau.
Ebenso kennzeichnend sind die damals entstandenen Bauwerke; Franziskanerkloster 1481/85, Rathaus 1496/98, Gewandhaus der Tuchmacher 1499. Eine städtische Lateinschule wurde 1486 von dem Humanisten Paulus Niavis geleitet. Im Jahre 1539 wurde die Reformation in der Stadt eingeführt. Das Benediktinerkloster 1546 säkularisiert und sein Besitz in ein landesherrliches Amt umgewandelt. 1618 wurde das Rathaus aufgebaut und bereits im Herbst des nächsten Jahres wieder bezogen. 1620 wurde auch der Hohe Turm fertiggestellt. Der heutige barocke Zustand wurde 1746 durch den Freiberger Ratszimmermeister J. Gottlieb Ohndorff geschaffen. In der Mitte des 16. Jahrhundert war Chemnitz ein Zentrum des Humanismus, als der Wissenschaftler, Arzt und Humanist Georgius Agricola von 1546 bis 1555 als Bürgermeister wirkte. Nach dem Niedergang der Montanbetriebe seit der Mitte des 16.Jahrhundert trat die nun verlagsmäßig mit auswärtigem Kapital betriebene Barchent- und Leinwanderzeugung noch mehr hervor, frühzeitig entstand eine breite Schicht kleiner Handwerker. Durch eine Pestepidemie 1613, einen großen Stadtbrand 1631 und die Zerstörungen des Dreißigjährigen Krieges ging die Zahl der Einwohner von ca. 5.500 um 1610 auf etwa 3.000 zurück. Nach dem Dreißigjährigern Krieg mit seinen schweren Zerstörungen kam die Leineweberei wieder auf und wandte neue Produktionstechniken an. 1728 folgte die Strumpfwirkerei, das Verlagswesen mit seiner Heimarbeit wurde seit 1770 von Manufakturen abgelöst (Kattundruckerei, 1775 Seidenstrumpfmanufaktur). Als 1782 die erste Spinnmaschine aufgestellt wurde, gab es noch 540 Webermeister mit 600 Gesellen, für die Chemnitzer Handelshäuser arbeiteten 14000 Webstühle in der Stadt und ihrer ländlichen Umgebung. Mit der Industriellen Revolution setzte um 1800 ein großer Aufschwung ein. Die zur Zeit der Napoleonischen Kontinentalsperre eine Hochkonjunktur erlebte. Einführung der Dampfmaschine 1822 und des Jacquardwebstuhls 1827. Die Maschinenindustrie wurde 1826 durch C. G. Haubold begründet. 1848 wurde der Lokomotivbau, 1885 die Fahrradhersteilung durch die Wanderer Werke aufgenommen (ab 1936 "Auto-Union"). Dies führte zu einem beträchtlichen demographischen und räumlichen Wachstum der Stadt. Betrug die Einwohnerzahl im Jahr 1800 noch ca. 10.500, so wurde Chemnitz bereits 1883 mit über 100.000 Einwohnern eine Großstadt. 1887 gab es hier 23 Eisengießereien, 114 Maschinenfabriken, 27 Färbereien, 119 Strumpf- und Handschuhfabriken. Die Industrialisierung veränderte das Stadtbild. Von 1825 bis 1856 verschwanden die Stadttore, die Stadtmauer und viele alte Bürgerhäuser; Fabriken, Werkstätten, Geschäftshäuser und Mietskasernen prägten das Gesicht der Stadt die Altstadt wurde zur Großstadtcity, die Einwohnerzahl stieg von 21137 im Jahre 1834 auf 207 000 im Jahre 1900, als Chemnitz Sitz einer Kreishauptmannschaft wurde. Mit dem Bau der Eisenbahn nach Riese 1852 begann sie zum Knotenpunkt des erzgebirgischen Eisenbahnnetzes zu werden, Verbindungen nach Zwickau 1858, Annaberg 1866, Leipzig 1872 folgten. Das Bildungswesen entwickelte sich vorrangig nach den Bedürfnissen der industriellen Wirtschaft. |
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