Chemnitz
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Interessantes zur Stadtgeschichte
Montag,  15. März  2010    


Chemnitz - Das Bleichprivileg Am 14. Dezember1357 wurde das Privileg in Dresden ausgefertigt; in ihm haben die Markgrafen "den bescheiden luten Nykel Manhoubte muentzmeister zcu Friberg, Nykele Schultheissin zcu der Myteweide, Mathis Maltzmeister burger zcu Kempnitz unde Hentzel Randecken burger zcu Friberg unsern liben getruwen unde iren erben erloubet, ... daz sie eine bleiche haben sullen unde mugin unde daz nymant mer denne sie alumbe by zehen milen in unsern landen keine bleiche haben sal".
Außerdem wurde die Ausfuhr von Flachs, Garn und ungebleichter Leinwand aus dem meißnischen Gebiet verboten. Für die Markgrafschaft Meißen war dadurch am Chemnitzfluss nördlich vor der Stadt auf einem Wiesengrundstück von etwa drei bis vier Hektar eine Bleiche eingerichtet worden, die die Voraussetzungen bot, im System von Textilproduktion und -handel eine Zentralstellung einzunehmen.

Auf den umzäunten Rasenflächen wurden die Leinentücher ausgelegt - um 1400 immerhin jährlich bis zu 130 000 Quadratmeter; Gießknechte gossen aus einem eigens dazu angelegten Grabensystem Wasser auf die Leinenbahnen. Da der Bleichvorgang selbst witterungsabhängig war, konnte er mitunter recht langwierig sein.

Mangelknechte sorgten nach dessen Abschluss für das Glätten der Stoffe. Der Bleichmeister regelte den produktionstechnischen und kaufmännischen Ablauf. Die landesherrlichen Ansprüche vertrat ein Bleichrichter. Die Landesherren vermochten es trotz vielfältiger Anläufe nicht, kleinere und größere Winkel- und Konkurrenzbleichen, von denen die wichtigsten wohl in Rochlitz und Penig existierten, zu beseitigen, arbeiteten diese doch meist besser und für die kleinen Webermeister zu günstigeren Bedingungen.

Georgius Agricola, der Stadtmedicus und Bürgermeiste von Chemnitz Zu den bedeutendsten Persönlichkeiten in der Geschichte der Stadt Chemnitz, ja zu den Großen in der deutschen Geschichte überhaupt, gehört der am 24. März 1494 in Glauchau geborene Tuchmachersohn Georg Bauer, der seinen Namen - wie damals unter Humanisten üblich - latinisierte: Georgius Agricola.

Nach Studien in Leipzig und Italien wirkte Agricola in Zwickau als Schulmeister und im böhmischen St. Joachimsthal (Jachymov) als Stadtarzt und Apotheker, bevor er als Stadtmedicus nach Chemnitz kam und hier mehrmals zum Bürgermeister gewählt wurde.
In Chemnitz schrieb er auch sein berühmtes Werk "De re metallica Libri XII". Postum 1556 in Basel erschienen, ist es ein Klassiker der Technikgeschichte, kulturgeschichtliches Denkmal der Renaissance und die erste umfassende Beschreibung von Bergbau und Hüttenwesen der Neuzeit.

"Vom Bergwerk 12 Bücher" war über Jahrhunderte die Standardliteratur für den Bergbau: Agricola hatte in Freiberg, im damals modernsten Bergbaurevier Europas geforscht und sich intensiv mit dem Montanwesen beschäftigt.

Das Bild zeigt Georgius Agricola auf dem 1940 entstandenen Gemälde des Münchners Karl Pindl - es hängt im Treppenaufgang zur Wandelhalle im Neuen Rathaus; im Alten Rathaus leitete Agricola zwischen 1546 und 1553 mehrmals als Bürgermeister die Stadt.

Außer seinen epochalen Schriften über Mineralogie und Geologie schrieb Agricola auch bedeutende Abhandlungen über Medizin, Maße, Gewichte und Münzen. Als Arzt, Philosoph, Wissenschaftler, Politiker und Pädagoge wird der Renaissancemensch Georgius Agricola in einem Zug mit Erasmus von Rotterdam, Martin Luther, Ulrich von Hutten und Philipp Melanchthon genannt.

24 Jahre verbrachte Agricola bis zu seinem Tode am 21. November 1555 in Chemnitz. Sein 500. Geburtstag wurde 1994 mit einem Festakt des Freistaates Sachsen in Chemnitz und mit einer großen Ausstellung würdig gefeiert.

An Georgius Agricola erinnern in Chemnitz eine Straße, eine Skulptur nahe seiner einstigen Wirkungsstätte, ein Relief am Alten Rathaus und das bereits erwähnte große Gemälde im Neuen Rathaus. Seit 1991 ist Agricola Namenspatron für das traditionsreiche Gymnasium am Platz der Opfer des Faschismus.

Textilherstellung im 18. Jahrhundert in Chemnitz Baumwollweberei und Kattundruckerei waren im 18. Jahrhundert die Säulen der Chemnitzer Wirtschaft. Die 5000 Einwohner lebten vorrangig von der Barchent- und Kanevasproduktion. Stetige Zunahme der Beschäftigten in der Weberei ist dafür Beleg:
  • 1712: 185 Meister und 146 Gesellen
  • 1720: 254 Meister
  • 1726: 319 Meister einschließlich Witwen, sowie 345 Gesellen
  • 1730: 400 Meister und 400 Gesellen
Mit der Zunahme der Zahl der Beschäftigten in der Weberei ging auch eine Steigerung des Produktionsvolumens einher. Wurden im Jahre 1699 noch 18 957 Stück Gewebe hergestellt, so waren es 1731 bereits 41 218 Stück, wobei ein Teil aus der Umgebung der Stadt stammte.

Hinzu kamen im gleichen Jahr noch 31 729 Ballen Stoffe eingeführte und teilweise in der Stadt gestempelte Stoffballen, so dass 1731 72 947 Stück Gewebe verschiedener Art aus Chemnitz auf den Markt kamen. Der für Wäsche- und Futterstoffe verwendete Barchent, ein einseitig auf der Rückseite gerauhtes, vorwiegend aus Baumwolle bestehendes Gewebe, wurde in Chemnitz seit 1675 in doppelter Breite hergestellt.

Dieser Doppelbarchent, "Vierziger" genannt, war 40 Ellen (etwa 22,5 Meter) lang. Je nach Qualitätsanforderung wurden gebleichtes Leinengarn und rohe smyrnaische Baumwolle verarbeitet bzw. Flachsgarn und Baumwolle oder für die billigste Ware nur Baumwolle verwendet. Kanevas, eine feine und glatte Ware, wurde entsprechend dem Verwendungszweck aus Flachs-, Hanf- oder Baumwollgarn gewebt.

Kanevas stellte man in Chemnitz ebenfalls seit 1675 her, und zwar zunächst in einer Länge von 24 Ellen (etwa 14,1 Meter), später von 22 1/2 Ellen. Die Breite betrug eine Dreiviertelelle (etwa 0,4 Meter). Die Begutachtung der Waren erfolgte nach strengen Maßstäben. Außerdem entwickelte sich in Chemnitz und Umgebung die Strumpfwirkerei zum bedeutenden Erwerbszweig.

Besonders wichtig wurde die Kattundruckerei. 1770 führte der Bleicher und Kolorist Georg Schlüssel die auf geschlossene Etablissements angewiesene Kattundruckerei als Vorläuferin fabrikmäßiger Produktion ein. Dem folgte 1771 die Kattundruckerei Pflugbeil und Co., gekoppelt mit einem Verlag für Webwaren, die ca. 20 Jahre später etwa 1200 Personen beschäftigte und 1799 erste Versuche zum Einsatz von Maschinen unternahm.

Chemnitz - sächsisches Manchester Bereits 1859 beschrieb Berthold Sigismund Chemnitz als "das sächsische Manchester": "... in Chemnitz sowohl als in der Umgegend walten die Fabrikgebäude vor, von denen nur einige der jüngsten das Bestreben offenbaren, neben der Zweckmäßigkeit auch die Schönheit zu berücksichtigen."     Den Vergleich mit der englischen Industriemetropole legten die Vielzahl der Schornsteine der Fabriken und Gießereien, die damit verbundene Rauch- und Schmutzentwicklung sowie die miserablen sozialen Verhältnisse nahe.
Der Begriff "sächsisches Manchester" widerspiegelt aber auch den Stolz auf die Leistungen der einheimischen Industrie, besonders des Maschinenbaus, die die Vormacht der englischen Konkurrenten mehr und mehr zu brechen vermochte. Gerade in den 60er Jahren des 19. Jahrhunderts gelang dem Maschinen- und Lokomotivbauer Richard Hartmann und dem Werkzeugmaschinenbauer Johann Zimmermann der Durchbruch auf internationalem Parkett - auf den Weltausstellungen erhielten sie mehrfach Preismedaillen für ihre Maschinen, die den englischen in keiner Weise mehr nachstanden.

Quelle: Stadtarchiv



Das Wappen der Stadt Chemnitz zeigt im gespaltenen Schild rechts in Gold zwei blaue Pfähle, links in Gold einen aufgerichteten, schwarzen, rot bewehrten Löwen. Über dem rot ausgeschlagenen Bügelhelm mit Medaillon und blausilbernen Decken zeigt es eine goldene Krone, daraus wachsend zwei mit Mundlöchern versehene silberne Büffelhörner, beide außen mit je fünf dreiblättrigen silbernen Lindenzweigen besteckt.

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